Ikigai, Glück und Dankbarkeit

In unserer Gesellschaft neigen wir oft dazu zu glauben, dass mehr Besitz und materieller Reichtum der Schlüssel zum Glück sind. Jedoch legen Forschungen im Bereich der Sozial- und Verhaltenswissenschaften nahe, dass ein Anstieg an materiellen Gütern nicht zwangsläufig zu einer proportionalen Steigerung des Glücksempfindens führt. Studien wie "Die Last des Lottogewinns" von Bruno Frey illustrieren diese Thematik anschaulich.

Geld spielt zweifellos eine bedeutende Rolle, um unsere grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen und uns ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Es ermöglicht uns auch Freiheit und Selbstverwirklichung, sei es durch Reisen oder andere persönliche Interessen. Dennoch zeigt die Forschung, insbesondere Arbeiten von Nobelpreisträger Daniel Kahneman, dass ab einem bestimmten Einkommensniveau zusätzliches Geld keinen signifikanten Einfluss mehr auf unser Glücksempfinden hat.

Studien zum Thema Wohlbefinden betonen weiterhin, dass kurzfristige Quellen des Glücks, wie hedonistische Vergnügungen, nur temporäre Befriedigung bieten. Langfristiges Glück und Wohlbefinden hingegen werden oft durch eudemonistische Quellen erreicht, wie beispielsweise durch Ikigai-Quellen.

“Es ist doch lustig - sobald man anfängt, die Dinge zu bemerken, für die man dankbar ist, verliert man die Dinge aus den Augen, die einem fehlen.”

–Germany Kent

“Wenn jemand von Ikigai-Kan spricht, dann ist das ein Geisteszustand, in dem man Ikigai fühlt, und das ist etwas, das das Leben als Ganzes unterstützt, auch, wenn man nichts Konkretes findet, das einen sofort glücklich macht.“

– Yoko Inoue

James Doty – Alphabet of the Heart

Manchmal verlieren wir den Überblick, weil so viele Informationen auf uns einprasseln. Das kann bedeuten, dass wir nicht mehr wissen, was uns wirklich wichtig ist und was wir priorisieren wollen. So erleben viele Menschen, dass ihr Leben an ihnen vorbeizieht, ohne dass sie sich wirklich mit den wichtigen Dingen beschäftigen.

Bronnie Ware hat schon vor Jahren darüber geschrieben, was sie als Krankenschwester im Hospizdienst erlebt hat. Die meisten Menschen bereuen am Ende ihres Lebens die grundlegenden Dinge:

  • Hätte ich doch mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Liebsten verbracht

  • Wäre ich doch ehrlicher mit meinen Gefühlen umgegangen 

  • Hätte ich doch weniger gearbeitet 

  • Hätte ich mich doch weniger gesorgt, was andere von mir denken

Deswegen laden wir dich ein, den Moment zu bemerken. Pause zu machen. Innezuhalten. Tu nun das, was dir hilft, dich zu erden.

James Doty ist ein führender Neurochirurg, Autor und Altruismusforscher, der regelmäßig bei Finde Zukunft zu Gast ist. Er hat das Alphabet des Herzens entwickelt, das uns jeden Morgen an die wirklich wichtigen Dinge erinnern kann:

Wohlstand durch Glück

Ein faszinierendes Beispiel für eine alternative Sichtweise auf Wohlstand kommt aus Bhutan, wo nicht das Bruttoinlandsprodukt (BIP), also der finanzielle Reichtum, als Maßstab für Wohlstand verwendet wird. Bhutan hat stattdessen das Konzept des Bruttonationalglücks eingeführt. Dabei werden die Bürgerinnen und Bürger regelmäßig nach ihrem persönlichen Wohlbefinden befragt, um der Regierung Einblicke zu ermöglichen, wie sie die Lebensqualität ihrer Bevölkerung verbessern kann.

Dieses Modell betont die Wichtigkeit subjektiver Zufriedenheit und Lebensqualität als Indikatoren für den Fortschritt einer Gesellschaft, im Gegensatz zur reinen Fokussierung auf finanzielle Kennzahlen. Es bietet eine alternative Perspektive, die dazu anregt, den Wert von Glück jenseits des reinen materiellen Wohlstands zu betrachten und möglicherweise neue Wege der sozialen und politischen Entwicklung zu erkunden.

Reflexionsfragen:

  • Schau einmal auf deine letzten Tage – wo entdeckst du hedonistische Quellen (und wo entdeckst du Ikigai-Quellen mit eudemonistischer Natur?

  • Hedonistische Quellen könnten sein: sich ein Eis oder ein tolles Essen gönnen –etwas Wunderbares.

  • Eudemonistische Ikigai-Quellen könnten sein: Auf einer Parkbank sitzen und verweilen, die die Blätter im Wind anschauen (dafür gibt es im Japanischen ein Wort: “Komorebi”), die Sonne genießen, den Regen zuhören, andere Menschen beobachten, etc.

  • Reflektiere, welche Art von Gefühl bei beiden Quellen bei dir entsteht. Schreib es am besten auf. Dazu passt der Titel von Michael: “Eudemonia”.

Michaels Musik für deine Reflexion

Such dir aus, mit welchem Stück Michael Nickel dich begleiten darf, während du deinem Ikigai weiter auf den Grund gehst.